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Mittwoch, 21. Juni 2017
Am Persischen Golf verhärten sich die Fronten
Im beispiellosen Streit Saudi-Arabiens und seiner Verbündeten mit Katar geht es um die Neuordnung der Kräfteverhältnisse in der gesamten Region – Ein höchst gefährliches Unterfangen
von Birgit Cerha
[Bild: Tamim bin Hamad al Thani]
Ist Saudi-Arabiens martialischer Verteidigungsminister, der eben zum Kronprinzen gekürte Königssohn Mohammed bin Salman, allgemein „MbS“ genannt, zu weit gegangen? Nichts deutet in der dritten Woche beispielloser Isolation durch Riad und deren Verbündete - die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Bahrain – gegen den Bündnisbruder im Golfkooperationsrat (GCC) Katar darauf hin, dass sich dieser superreiche Ministaat zum Vasallen degradieren lassen würde. Ganz im Gegenteil. Seit die drei Golfstaaten gemeinsam mit Ägypten am 6. Juni die diplomatischen Beziehungen zu Doha abbrachen, den Luftraum für katarische Flugzeuge und die einzige Landverbindung Katars (zu Saudi-Arabien) sperrten, blieben Vermittlungsbemühungen erfolglos. Die Fronten haben sich verhärtet. Nicht wie von „MbS“ erhofft, hat die Blockade Katars Emir Tamim bin Hamad rasch in die Knie gezwungen. Lebensmittelengpässe im importabhängigen Wüstenstaat wurden prompt durch Lieferungen aus dem Iran, wie der Türkei und die Eröffnung neuer Handelswege behoben. Ökonomisch steht Katar mit seinen 2,7 Millionen Bewohnern (davon nur 300.000 Staatsbürger) und weltweiten Finanzanlagen von etwa 335 Mrd. Dollar auf festem Boden.
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Freitag, 19. Mai 2017
Saudi-Arabien: der gefährlich zwiespältige Freund
Die enormen Risiken einer von US-Präsident Trump angestrebten engen Allianz mit dem Reich der radikal-islamistischen Wahhabiten
von Birgit Cerha
US-Präsident Trump hat das Ölreich Saudi-Arabien zum wichtigsten Anker einer Politik weltweiter (insbesondere mittelöstlicher) Krisenbewältigung gewählt. Nicht deutlicher konnte der weltpolitisch Ahnungslose diese Absicht signalisieren, als er Riad zu seinem ersten Ziel seiner ersten Auslandsreise als US-Präsident erkor. Prinz Mohammed bin Salman, Verteidigungsminister, Lieblingssohn des Königs, „aufsteigender Stern“ am politischen Wüstenhimmel, schwelgt in Freude über diesen „historischen Wendepunkt“, der neue Beziehungen in Bereichen der Politik, des Militärs, der Sicherheit und der Wirtschaft verheiße. Mit Investitionen von 40 Mrd. Dollar in die Infrastruktur der USA – ein Lieblingsprojekt Trumps – will Riad nach den Jahren der Eiszeit unter Obama den neuen Freund im Weißen Haus entlohnen. Und Trump traf Freitag mit dem Plan eines der größten Waffengeschäfte der Geschichte (Kriegsgeräte im Wert von mehr als 300 Mrd. Dollar) in der Tasche im Königreich ein, wo er etwa 50 Führern der islamisch-sunnitischen Welt, darunter unzählige, Menschenrechte mit Füßen tretende Diktatoren, seine vage Vision einer “Arabischen NATO“ verkünden wird.
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von Birgit Cerha
US-Präsident Trump hat das Ölreich Saudi-Arabien zum wichtigsten Anker einer Politik weltweiter (insbesondere mittelöstlicher) Krisenbewältigung gewählt. Nicht deutlicher konnte der weltpolitisch Ahnungslose diese Absicht signalisieren, als er Riad zu seinem ersten Ziel seiner ersten Auslandsreise als US-Präsident erkor. Prinz Mohammed bin Salman, Verteidigungsminister, Lieblingssohn des Königs, „aufsteigender Stern“ am politischen Wüstenhimmel, schwelgt in Freude über diesen „historischen Wendepunkt“, der neue Beziehungen in Bereichen der Politik, des Militärs, der Sicherheit und der Wirtschaft verheiße. Mit Investitionen von 40 Mrd. Dollar in die Infrastruktur der USA – ein Lieblingsprojekt Trumps – will Riad nach den Jahren der Eiszeit unter Obama den neuen Freund im Weißen Haus entlohnen. Und Trump traf Freitag mit dem Plan eines der größten Waffengeschäfte der Geschichte (Kriegsgeräte im Wert von mehr als 300 Mrd. Dollar) in der Tasche im Königreich ein, wo er etwa 50 Führern der islamisch-sunnitischen Welt, darunter unzählige, Menschenrechte mit Füßen tretende Diktatoren, seine vage Vision einer “Arabischen NATO“ verkünden wird.
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Dienstag, 5. Juli 2016
Saudi-Arabien – das zentrale Ziel des IS
Gestützt auf die wahhabitische Doktrin will die Terrormiliz die Kontrolle über die Heiligsten Stätten des Islams an sich reißen und den Mittleren Osten neu ordnen
Die Serie von blutigen Anschlägen zum Ende des Fastenmonats Ramadan in Saudi-Arabien wirft ein Schlaglicht auf das verwirrend ambivalente Verhältnis zwischen dem Wüstenreich und der Terrormiliz des „Islamischen Staates“ (IS), die sich zu den Gewalttaten bekannte. Verbindet den IS nicht das Bekenntnis zur selben radikalen wahhabitischen Doktrin, die Saudi-Arabien zu seiner Staatsreligion erhoben hatte? Verdankt die Terrormiliz nicht ihre Siegeszüge im Irak und in Syrien und darüber hinaus der eifrigen materiellen Unterstützung aus dem Ölreich, ja gehen nicht schon ihre Ursprünge auf großzügige Hilfe der Saudis zurück, sind sie nicht in Wahrheit die „Paten“ des IS? Warum dann setzten die radikalen Islamisten mit ihren Terroranschlägen insbesondere in Medina, der zweitheiligsten Stätte des Islam, ein Signal, das das Königshaus tief ins Mark treffen muss?
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Donnerstag, 21. April 2016
Der rasante Aufstieg eines Alleinherrschers
Wie Saudi-Arabiens junger Verteidigungsminister Macht anhäuft, mit
sprunghaften und auch aggressiven Entscheidungen die Stabilität zu
gefährden droht
von Birgit Cerha
Mohammed bin Salman kannten nur wenige Saudis, als ihn sein Vater vor einem Jahr zum Verteidigungsminister und stellvertretenden Kronprinzen ernannte. Kurz zuvor hatte der 79-jährige Salman den Thron Saudi-Arabiens bestiegen. Sein 30-Jähriger Lieblingssohn, von seiner Umwelt „MbS“ genannt, häufte in nur wenigen Monaten zahlreiche der wichtigsten Ämter des Königreiches an, präsentiert, dirigiert, visioniert und stürzt sein Land in gefährliche, teils sehr blutige Abenteuer, die nichts anderes erreichen, als die ohnedies schwer angeschlagene Stabilität in der Region weiter zu untergraben. An zweiter Stelle in der Thronfolge, übernimmt MbS zunehmend auch höchste Repräsentationsgeschäfte von seinem demenzkranken Vater, wie auch bei dem gegenwärtig in Riad tagenden Gipfel des Golfkooperationsrates. Niemand kann ihn mehr ignorieren, denn er ist heute der wichtigste Entscheidungsträger eines der reichsten Ölstaaten der Welt und weitet seine Macht stetig aus.
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von Birgit Cerha
Mohammed bin Salman kannten nur wenige Saudis, als ihn sein Vater vor einem Jahr zum Verteidigungsminister und stellvertretenden Kronprinzen ernannte. Kurz zuvor hatte der 79-jährige Salman den Thron Saudi-Arabiens bestiegen. Sein 30-Jähriger Lieblingssohn, von seiner Umwelt „MbS“ genannt, häufte in nur wenigen Monaten zahlreiche der wichtigsten Ämter des Königreiches an, präsentiert, dirigiert, visioniert und stürzt sein Land in gefährliche, teils sehr blutige Abenteuer, die nichts anderes erreichen, als die ohnedies schwer angeschlagene Stabilität in der Region weiter zu untergraben. An zweiter Stelle in der Thronfolge, übernimmt MbS zunehmend auch höchste Repräsentationsgeschäfte von seinem demenzkranken Vater, wie auch bei dem gegenwärtig in Riad tagenden Gipfel des Golfkooperationsrates. Niemand kann ihn mehr ignorieren, denn er ist heute der wichtigste Entscheidungsträger eines der reichsten Ölstaaten der Welt und weitet seine Macht stetig aus.
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Saudi-Arabiens Traum von Hegemonie
Teile die Macht in der Region, lautet Obamas Botschaft bei einem Versöhnungsversuch mit dem Haus Saud und dessen Verbündeten am Persischen Golf
Von Birgit Cerha
„Kompliziert“ nennt Washington die Beziehungen zu Saudi-Arabien. Um in der Endphase seiner Präsidentschaft die Wogen des Ärgers über gravierende Differenzen zwischen den beiden Ländern zu glätten, traf US-Präsident Obama Mittwoch in Riad König Salman und nimmt heute, Donnerstag, am Gipfel des „Golfkooperationsrates“ (GCC) teil.
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Samstag, 6. Februar 2016
Saudi-Arabien zweifelhaftes Angebot
Von Birgit Cerha
„Hochwillkommen“ bezeichnet Washington die Ankündigung Saudi-Arabiens, sich mit Truppen an einer Bodenoffensive der von den USA geführten internationalen Allianz gegen den „Islamischen Staat“ (IS) in Syrien zu beteiligen. In Wahrheit ist dieses Versprechen, sollte es tatsächlich erfüllt werden, höchst alarmierend.
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Dienstag, 5. Januar 2016
Saudi-Arabiens riskante geopolitische Strategie
Das empfindlich geschwächte Königreich versucht, regionale
Verbündete auf seine Seite zu ziehen und den iranischen Rivalen als
“Terrorstaat” zu isolieren
von Birgit Cerha
[Bild: Kronprinz Mohammed bin Nayyef]
Die nicht nur in der Welt der Schiiten als schwere Provokation
empfundene Hinrichtung des populären saudischen Schiiten-Geistlichen
Nimr al-Nimr ist Teil eines viel weitreichenderen, sich dramatisch
verschärfenden Kampfes um Dominanz in der gesamten Region. Reaktionen
und Zeitpunkt der Hinrichtung lassen dies deutlich erkennen . Die
Botschaft – schiitische Aktivisten sind Terroristen -, die Riad durch
die Hinrichtung des wohl wichtigsten Sprechers der unterdrückten
schiitischen Minderheit in Saudi-Arabien zu vermitteln suchte, löste
unter den Schiiten im Iran und in anderen Ländern der Region die
erwartete Empörung aus. Dass wütende Demonstranten in Teheran Teile der
saudischen Botschaft in Brand steckten, bot Riad den erhofften Vorwand,
die „Islamische Republik“ als internationalen Buhmann zu brandmarken
und jegliche Kontakte abzubrechen, gerade als Teheran begonnen hatte,
den Makel von Extremismus und Terror abzuschütteln und sich dank des
Atomabkommens mit den Weltmächten nach jahrelangen Sanktionen wieder in
die internationale Gemeinschaft zu integrieren.
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Montag, 4. Januar 2016
Eskalation am Persischen Golf
Saudi-Arabien und Iran verschärfen ihre Konflikte und damit die
teils blutigen Konflikte zwischen Sunniten und Schiiten in der gesamten
Region
von Birgit Cerha
Am Persischen Golf verschärften sich Montag die Spannungen zwischen
den beiden um Hegemonie in der Region ringenden Mächte Iran und
Saudi-Arabien dramatisch. Weder Teheran, vor allem aber nicht Riad
zeigten sich bereit, die Wogen des Zornes zu glätten, die die Exekution
des prominenten saudischen Schiitengeistlichen Nimr al-Nimr am
Wochenende ausgelöst hatte. Im Gegenteil: Das Haus Saud goss noch Öl ins
Feuer, als es Montag Teherans Diplomaten im Königreich, begleitet von
heftigen Verbalattacken gegen die „Islamische Republik“, des Landes
verwies. Wenig später folgten in Solidarität mit dem saudischen Führer
in der Welt der Sunniten Bahrain und der Sudan.
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Sonntag, 3. Januar 2016
Khamenei warnt Saudis vor „Rache Gottes“
Scharfer Krieg der Worte verheißt bedrohlich wachsende Spannungen zwischen Sunniten und Schiiten in der gesamten Region
von Birgit Cerha
Die Welt der Schiiten steht im Aufruhr. Von Saudi-Arabiens
Ostprovinz über Bahrain, den Irak, Iran bis nach Pakistan und im Westen
in den Libanon empören sich Schiiten über die Hinrichtung des weithin
populären saudischen Schiiten-Geistlichen Nimr al-Nimr. Irans
„Geistlicher Führer“ Khamenei verschärfte Sonntag einen Krieg der Worte
mit Riad und warnte das Haus Saud vor der „Rache Gottes“. „Das
ungerechtfertigt vergossene Blut dieses Märtyrers wird rasche
Konsequenzen haben“, warnte Khamenei und erinnerte daran, dass Nimr
„Menschen weder zu bewaffnetem Handeln“ ermutigt, noch „geheime Pläne
geschmiedet“, sondern nur „öffentlich Kritik“ geäußert habe. Der
radikale iranische Ayatollah Ahmad Khatami prophezeite den saudischen
Herrschern, dass sie als Folge dieser Hinrichtung „aus den
Geschichtsbüchern gelöscht“ würden. Führer der Revolutionsgarden drohten
Rache an, allerdings ohne sich genauer festzulegen, während in der
Nacht auf Sonntag wütende Demonstranten Teile der saudischen Botschaft
in Teheran stürmten und in Brand setzten und in der zweitgrößten Stadt
Mashhad das saudische Konsulat attackierten. Riad warf Teheran mit
scharfen Worten vor, Gewalt in der gesamten Region zu schüren.
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Saudi-Arabien: Stabilität durch Massenexekution?
Der getötete schiitische Ayatollah al-Nimr war ein schmerzhafter
Stachel im Fleisch des saudischen Königshauses – Droht nun ein
Bürgerkrieg?
von Birgit Cerha
„Nieder mit dem Haus Saud“ brüllten empörte schiitische Bürger in
Katif, der Heimatstadt des Samstag, gemeinsam mit 46 anderen Saudis
hingerichteten schiitischen Ayatollah Nimr al Nimr.Aus Angst vor
schweren Unruhen appellierte die Polizei an die Bürger, ihre Waffen
bereitzuhalten, um Menschen an Protesten zu hindern. Manche
Kommentatoren befürchten bereits, die Massenexekution könnte das Ölreich
an den Rand eines Bürgerkrieges treiben.
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Donnerstag, 17. Dezember 2015
Saudi-Arabiens schmerzhafter Ölkrieg
Was treibt die Scheichs am Persischen Golf zu einem gnadenlosen Sinkflug des Ölpreises und beginnt ihre Offensive zu wirken?
„Niemand kann den Preis von Öl festsetzen. Das bleibt Allah
überlassen.“ Diese Worte des saudischen Ölministers al-Naimi sollten
wohl eine gewisse Ohnmacht des nach Venezuela zweitgrößten Ölreiches
der Welt angesichts der dramatischen Entwicklungen auf dem
internationalen Ölmarkt vortäuschen . Denn der dramatische Sinkflug des
Ölpreises hält an, stürzt zahlreiche Produzentenländer in gravierende
ökonomische Schwierigkeiten, einige gar an den Rand des Bankrotts, und
bringt selbst in der „Organisation erdölexportierender Länder“ (OPEC)
die verwundbaren Ärmeren mehr und mehr gegen die Superreichen am
Persischen Golf auf. Dass die neuen in Politik, Diplomatie und
Ölstrategie weit energischer bis aggressiv agierenden Führer
Saudi-Arabiens, unterstützt von ihren Verbündeten am Persischen Golf,
bewusst die Ölwaffe schwingen, können sie auch durch angeblichen
Fatalismus und Gottglauben nicht mehr vertuschen. Mit kaum mehr als 30
Dollar pro Barrel hat der Preis für ein Barrel Öl schon fast den
Tiefstand der Wirtschaftskrise 08/09 erreicht.
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Dienstag, 15. Dezember 2015
Saudi-Arabien gründet islamische Anti-Terror-Allianz
Wie definiert das fundamentalistische, ideologisch mit dem IS verwandte Königshaus „Terroristen“ als zu bekämpfende Feinde?
von Birgit Cerha
Es sei „die Pflicht“ Saudi-Arabiens, „die islamische Nation vor dem Übel aller Terrorgruppen und Organisationen, ohne Rücksicht auf deren Religion und Ziele zu beschützen“. Mit diesen Worten begründete Saudi-Arabiens Verteidigungsminister Mohammed bin Salman die Gründung eines Bündnisses von 34 islamischen Staaten – darunter die Türkei und Ägypten, Malaysia und Pakistan -, um gemeinsam „gegen jede terroristische Organisation“, keineswegs nur den „Islamischen Staat“ (IS), zu kämpfen. Das Haus Saud reagiert damit auf wiederholte Aufforderungen US-Präsident an islamische Staaten, sich stärker im Kampf gegen die barbarische Terrormiliz des IS zu engagieren.
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Sonntag, 13. Dezember 2015
Saudi-Arabien wählten erstmals Frauen in die Politik
Gemeinderatswahlen sind ein erster zaghafter Schritt zu einem modernen Staat – Oder nichts als eine Farce?
von Birgit Cerha
„Es ist eine große positive Überraschung“, kommentiert ein
westlicher Diplomat die ersten inoffiziellen Ergebnisse der
Gemeinderatswahlen in Saudi-Arabien. Danach haben erstmals in der
Geschichte des ultrakonservativen Königreiches Samstag vier Frauen Sitze
in Gemeinderäten erobert – und dies trotz enormer bürokratischer
Hürden, die ihren Weg in die Politik blockieren sollten.
Es war die dritte Wahl seit der Gründung Saudi-Arabiens1932 und die
erste, an denen sich Frauen als Wählerinnen und Kandidatinnen
beteiligen durften. Manche sprechen deshalb von einem „historischen
Ereignis“. Immerhin war Saudi-Arabien das letzte Land der Welt, das
Frauen von Wahlen ausschloss. „Jetzt haben wir eine Stimme“, frohlockt
eine der Kandidatinnen über Twitter. Doch die Realität trübt die
Euphorie.
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Samstag, 15. August 2015
Huthis - die geheimnisvollen Rebellen
Feindliche Propaganda, bewusste und unbewusste Simplifizierungen
verfälschen das Bild der Huthis, der Hauptgegner Saudi-Arabiens in
seinem verheerenden Jemenkrieg. Ihr Name geht auf Badr al-Din al Houthi
und seinem Sohn Hussein zurück, die in den 1990er Jahren diese
religiös-politische Bewegung und eine Miliz gegründet hatten. Die große
Mehrheit der Mitglieder sind im Nord-Jemen konzentrierte Zaiditen,
Anhänger einer schiitischen Glaubensrichtung, deren Doktrin den
Traditionen der sunnitischen Mehrheit des Jemen jedoch weit näher steht
als dem Zwölfer-Schiismus des Irans. Im Gegensatz zur Propaganda ihrer
Feinde sind die Huthis keineswegs Marionetten des Irans, sondern in
erster Linie eine lokale politische Gruppe die sich dem – auch
militärischen – Kampf gegen Diskriminierung der rund zehn Millionen im
Jemen lebenden Zaiditen (etwa 35 Prozent der Bevölkerung) verschrieben
haben. Anders als die Sunniten und Schiiten anderer Glaubensrichtung
glauben die Zaiditen an die religiöse Verpflichtung, sich gegen
ungerechte Herrscher zu erheben, und nur ein Führer, der diese
Voraussetzung erfüllt, kann auch ihr Imam sein.
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Existenzängste treiben den reichsten Ölstaat
Saudi-Arabien fürchtet einen aufstrebenden Iran – Doch ist das
tatsächlich das wichtigste Motiv der verheerenden Vernichtungsschläge im
jemenitischen Armenhaus?
von Birgit Cerha
Der Siegeszug der Huthis ist gestoppt. Ermutigt durch die Eroberung
der Hafenstadt Aden und anderer Regionen im Südjemen, drängt die von
Saudi-Arabien geführte arabische Koalition weiter nach Norden. Sanaa,
die von den Rebellen vor fast einem Jahr eingenommene Hauptstadt, ist
ihr Ziel. Doch dazwischen liegen Regionen, in denen die überwiegend aus
Angehörigen der schiitischen Minderheit der Zaiditen zusammengesetzte
Huthi-Miliz, im Gegensatz zum Süden, viele Anhänger besitzt. Den
Jemeniten droht eine Kriegsphase, die an Grausamkeit und Verlusten das
fünfmonatige, gnadenlose Bombardement der Koalition noch weit
übertreffen dürfte. Eindringlich drängen UNO und NGOs beide Seiten zu
einem Verhandlungskompromiss.
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Mittwoch, 12. August 2015
Saudi-Arabien setzt die Hungerwaffe ein
Krieg
gegen die Houthi-Rebellen im Jemen verdammt vor den Augen einer
gleichgültigen Welt Millionen Jemeniten zu „beispiellosem Leid“
von Birgit Cerha
Vertreter
humanitärer Organisationen sind zutiefst schockiert. „Das Leid der
Zivilbevölkerung hat beispiellose Ausmaße erreicht“, versucht Antoine
Grand, Missionschef des „Internationalen Komitees vom Roten Kreuz“
(IKRK) im Jemen die Welt aufzurütteln. „Jede Familie ist betroffen. Die
Menschen erleiden extreme Not und die Situation wird mit jedem Tag
schlimmer“, stellt IKRK-Präsident Peter Maurer nach einem Kurzbesuch im
kriegsgeplagten Land fest.
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Donnerstag, 26. März 2015
Saudi-Arabien startet Militäroffensive im Jemen
Iran warnt vor Blutvergießen – Droht der Region ein neuer gefährlicher „Stellvertreter-Krieg“?
von Birgit Cerha
Dem
Jemen, Armenhaus der arabischen Welt, zerrissen von lokalen Konflikten,
Zufluchtsort und Brutstätte regionaler und internationaler Jihadis,
Heimat der gefährlichsten Terrororganisation, der „Al-Kaida auf der
Arabischen Halbinsel“ (AKAH), in die nun der rivalisierende „Islamische
Staat“ (IS) blutig eindringt, droht der totale politische Zusammenbruch
und damit eine neue Katastrophe für ein Land, dessen Bevölkerung
mehrheitlich am Rande des Elends dahinvegetiert.
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Freitag, 23. Januar 2015
Keine Hoffnung auf Veränderung in Saudi-Arabien
Schnell und komplikationslos verlief der Machtwechsel in
Saudi-Arabien. Kontinuität ist das Motto des neuen Königs Salman. Sie
erscheint dem autokratisch herrschenden Haus Saud zentral, um sein
Überleben in einer gefährlich turbulenten Region zu sichern. Während
sich die demokratische Welt über Brutalitäten empört, die das Regime nur
wenig von den barbarischen Terroristen des „Islamischen Staates“
unterscheidet (Auspeitschung des Bloggers Said Bardawi, 10 Exekutionen
seit Jahresbeginn) weckt Salman keine Hoffnung auf Achtung der
Menschenrechte. Ganz im Gegenteil. Salman hält noch weniger von
Meinungsfreiheit oder Frauenrechten wie Abdullah, der sich nicht gegen
die wahhabitische Geistlichkeit durchsetzen konnte. Salman steht diesen
Radikalen näher nund die Angst, Liberalisierungen könnten die
Todesgefahr durch Islamisten verstärken, nährt die Entschlossenheit zur
gnadenlosen Unterdrückung.
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Wie Abdullah Saudi-Arabien veränderte
Der verstorbene König prägte dem Land einen Stempel auf – Doch entscheidende demokratische Reformen wagte er nicht
von Birgit Cerha
„Wir haben heute nicht einen König verloren – wir verloren einen
Vater.“ Tausende saudische Bürger drückten über die sozialen Netzwerke
Gefühle der Liebe für ihren 91 jährigen König aus, der Freitag den
Folgen einer Lungenentzündung erlegen war. Eine Minderheit verhehlte
aber nicht ihre Enttäuschung oder gar ihren Zorn über einen absoluten
Monarchen, der Reformen versprochen und nur wenige in Kraft gesetzt
hatte und einer seit Monaten zunehmend brutalen Repression freien Lauf
ließ.
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Salman Abdulaziz al Saud: der Bewahrer
Saudi-Arabiens neuer König setzt voll auf Kontinuität in
turbulenten Zeiten – Reformen der autokratischen Monarchie erscheinen
ihm als zu riskant
von Birgit Cerha
Veränderungen haben Saudi-Arabiens reformhungrige Bürger von Salman
Abdulaziz al Saud nicht zu erwarten. Der neue König stellte Freitag nur
wenige Stunden nach dem Tod seines Vorgängers Abdullah klar, dass
Kontinuität und enge Beziehungen zu den USA seine wichtigsten
Leitprinzipien sein werden. Mit dem Aufstieg Salmans an die Spitze des
Ölreichs setzt das Haus Saud die Gerontokratie fort.
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