Hundert Jahre nach Abschluss des Sykes-Picot-Abkommens droht der ungerechten nahöstlichen Ordnung ein noch gefährlicheres Ende
von Birgit Cerha
Gegen
Mittag des 16. Dezember 1915 eilte ein vielversprechender junger
Politiker in die Londoner Downing Street, um das Kriegskabinett in einer
höchst gefährlichen Frage zu beraten. Das 600-jährige Osmanische Reich
begann zu bröckeln und ein Konflikt über das künftige Erbe drohte die
fragile britisch-französische Allianz zu zerreißen. Sir Mark Sykes,
bekannt durch Publikationen über den Orient, präsentierte auf drei
Blättern zusammengefasste Ideen und eine Landkarte, auf der er eine
dicke Bleistiftlinie von der Mittelmeerküste durch die Wüste bis zur
persischen Grenze gezogen hatte. Seine Ideen bildeten die Basis für
monatelange Verhandlungen mit dem französischen Diplomaten George-Picot
und schließlich für ein Geheimabkommen, das beide am 16. Mai 2016
schlossen.
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