Mittwoch, 22. April 2015

Massenelend im libyschen Chaos

Der Zusammenbruch des Staates öffnete die Schleusen für eine menschliche Flut – Bleibt ein kleiner Hoffnungsschimmer?
 
von Birgit Cerha
 
„Verglichen mit westlichen Ländern“ bewiesen die Staaten des Mittleren Ostens und Nordafrikas „eine enorme Gastfreundschaft angesichts einer beispiellosen Flüchtlingskrise“. Vor allem Tunesien, betont der Libyen-Experte Megan Bradley gegenüber dem arabischen Sender „Al-Jezira“, halte seine Grenzen trotz gravierender eigener Probleme stets offen für all jene, die dem libyschen Chaos zu entkommen suchen. Das UN-Flüchtlingshochkommissariat schätzt die Zahl der intern Vertriebenen  auf etwa 400.000, während mehr als eineinhalb Millionen Libyer seit der Ermordung Diktator Gadafis im Oktober 2011 ins Ausland geflüchtet sind. Allein im Vorjahr kamen 2.800 Menschen bei Kämpfen zwischen rivalisierenden Milizen im Lande ums Leben.

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Sonntag, 19. April 2015

Die „nützlichen Idioten“ des „Islamischen Staates“

Unter  Izzat Ibrahim Al-Douris Führung schlossen die Baath-Offiziere Saddam Husseins eine bis heute kaum besiegbare  taktische Allianz mit der islamistischen Terrormiliz im Irak

von Birgit Cerha
Sie nannten ihn wegen seiner Haarfarbe und dem buschigen Bart den „rothaarigen Teufel“. Der laut offiziellen irakischen Quellen Freitag bei einer Offensive der irakischen Armee in der Nähe der Stadt Tikrit getötete Izzat Ibrahim Al-Douri war nicht nur der prominenteste und wichtigste Handlanger des 2006 exekutierten Diktators Saddam Hussein. Er war bis zu seinem – bisher durch DNA noch nicht bestätigten - Tod einer der gefürchtetsten Männer des Iraks. Als hoher Offizier und bedingungslos treuer Stellvertreter Saddams spielte er eine zentrale Rolle bei den blutigen Repressionen von Kurden, Schiiten und arabisch-sunnitischen Oppositionellen. Doch seine eigentliche Bedeutung für das Schicksal des Iraks begann nach dem Sturz der Diktatur 2003 und dem dramatischen Verlust von Macht und Einfluss der arabisch-sunnitischen Minderheit, die über Jahrhunderte eine privilegierte Stellung im Zweistromland genossen hatte.

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Montag, 6. April 2015

„Die Straßen sind mit Leichen übersät“

Ein Land im Würgegriff – Den Jemeniten droht eine humanitäre Katastrophe gigantischen Ausmaßes, während Kämpfe und Bombardements aus der Luft anhalten
 
von Birgit Cerha
 
„In den Spitälern und Gesundheitszentren, die einen Strom von Verwundeten aus weiten Gebieten des Jemens aufnehmen, gehen lebensrettende Medikamente und medizinische Geräte zur Neige. In vielen Teilen des Landes leidet die Bevölkerung unter Mangel an Treibstoff und Wasser, während die Lebensmittelvorräte rasch verbraucht werden. Dutzende Menschen werden täglich getötet und verwundet. Die Straßen von Aden sind mit Leichen übersät und die Menschen fürchten sich, ihre Häuser zu verlassen.“

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Montag, 30. März 2015

Kurden: Immer noch „die Waisen des Universums“

Ein zeitgeschichtlicher Überblick über das tragische Schicksal des größten Volkes ohne Staat, der ihm bis heute verwehrt wird
 
von Birgit Cerha
 

Das kurdische Volk wurde nie objektiv gezählt. Es gibt nur Schätzungen. Die wahrscheinlichsten sprechen von insgesamt mindestens 40 Millionen.
Nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches haben die Siegermächte die Grenzen im Orient  - ohne Rücksicht auf die Zusammensetzung und Präsenz der diversen Völker, die dort leben - nach Eigeninteressen und auch willkürlich gezogen. Um die Rumpftürkei etwa vom französischen Mandatsgebiet Syrien zu trennen und damit die bis heute völkerrechtlich geltende Grenze zwischen der Türkei und Syrien zu ziehen, wählten die Siegermächte die Eisenbahnlinie Berlin-Bagdad-Basra.   

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Sonntag, 29. März 2015

Riads Optionen und Risiken im Jemen

Selbst mit Hilfe einer arabischen Allianz ist ein militärischer Sieg über die Houthi-Rebellen kaum möglich – Ein hohes Risiko für Saudi-Arabien

Von Birgit Cerha

Saudi-Arabien gibt sich siegesgewiss. Nach viertägigen heftigen Bombardements – mit einer unbekannten Anzahl von zivilen Opfern – hat das Königreich nach eigenen Aussagen im jemenitischen Nachbarstaat  die Lufthoheit hergestellt. Der Flughafen der Hauptstadt Sanaa ist zerstört, jener der Hafenstadt Aden der Kontrolle durch die feindlichen pro-iranischen Houthi-Rebellen der schiitischen Zaiditen entrissen. Die Arabische Liga ringt sich auf ihrem Gipfel im ägyptischen Sharm el Sheikh zur Gründung einer gemeinsamen arabischen Streitmacht durch, um – so Ägyptens Präsident Al-Sisi –sich gegen die Herausforderungen in der „dunkelsten Stunde in der Geschichte“ der arabischen Welt zu wappnen. Es ist ein großer diplomatischer Erfolg des neuen saudischen Königs, dem es in Windeseile gelungen war, zehn  von sunnitischen Glaubensbrüdern geführte arabische Staaten für eine gemeinsame Militäraktion gegen die Houthis und damit – so wie Riad es darstellt – gegen den iranischen Expansionismus zu gewinnen.

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Donnerstag, 26. März 2015

Saudi-Arabien startet Militäroffensive im Jemen

Iran warnt vor Blutvergießen – Droht der Region ein neuer gefährlicher „Stellvertreter-Krieg“?
 
von Birgit Cerha
 
Dem Jemen, Armenhaus der arabischen Welt, zerrissen von lokalen Konflikten, Zufluchtsort und Brutstätte regionaler und internationaler Jihadis, Heimat der gefährlichsten Terrororganisation, der „Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel“ (AKAH), in die nun der rivalisierende „Islamische Staat“ (IS) blutig eindringt, droht der totale politische Zusammenbruch und damit eine neue Katastrophe für ein Land, dessen Bevölkerung mehrheitlich am Rande des Elends dahinvegetiert.

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Donnerstag, 12. März 2015

Was bleibt von Assads Staat?

Vier Jahre nach Kriegsbeginn droht Syrien von innen zu erodieren – Eine Bilanz des Grauens
 
von Birgit Cerha
 
Die Bilanz kann kaum grauenvoller sein: Als am 12. März 2011 der „Arabische Frühling“ auch die lange so stabile Diktatur Baschar el Assads erfasste, ahnte niemand, dass in diesem kleinen, doch strategisch so wichtigen arabischen Staat unvorstellbare menschliche Qualen begannen, deren Ende auch vier Jahre später nicht abzusehen ist, während die zivilisierte Welt mit schockierender Ohnmacht zusieht.

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Mittwoch, 4. März 2015

Irans Schlüsselrolle im Kampf um Tikrit

Bei ihrer bisher größten und entscheidenden Offensive gegen den „Islamischen Staat“ stützen sich die irakischen Streitkräfte auf eine „Geheimwaffe“: General  Suleimani
 
von Birgit Cerha
 
Jahrzehtelang galt er in politischen und militärischen Kreisen der Region als der „mächtigste und geheimnisvollste Mann des Mittleren Ostens“: General Qasem Suleimani, Oberkommandierender der für geheime Auslandseinsätze zuständigen „Al-Quds“-Brigaden der iranischen Revolutionsgarden. In der Öffentlichkeit zeigte er sich nie. Fotos des heute 58-Jährigen kursierten nur ganz wenige. US-Militärs halten ihn für eine „wahrhaft üble Figur“. Suleimani agierte in der Welt der Verschwörung und geheimer Gewalt und dies vor allem gegen die strategischen Interessen der USA.

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